| Lanz-Lokomobile Geschichte |
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Die Geschichte der Lohndrescherei und des Sägewerkes von Michael Fichte
Im Jahre 1899 bestellten der Ziegler (Ziegeleiarbeiter) Simon Meier (1872 – 1952) und sein Schwager Karl Wehfer bei der Firma Ottomeyer in Steinheim eine Dreschmaschine und eine fahrbare Dampflokomobile der Firma LANZ in Mannheim.Von der Gemeinde Lüdenhausen wurde das Grundstück „auf den Strecken“ gepachtet und darauf ein Dreschschuppen errichtet. 900 begannen die beiden mit dem Lohndrusch auf Bauernhöfen in Lüdenhausen, Henstorf und Lassbruch. Die Dreschmaschine und die Dampflokomobile wurden von 4 Pferden auf die Bauernhöfe gezogen. Ein Einwohner von Lüdenhausen berichtete, dass bei höhergelegenen Gehöften sogar 6 bis 8 kräftige Pferde vorgespannt werden mussten. Kleinbauern brachten ihre Fuder mit Wagen zum Standdrusch im Dreschschuppen. Bis 1905 arbeitete Simon Meier nach der Dreschsaison (Ende des Winters) weiterhin als Ziegler. Die Lokomobile wurde dann in der Ziegelei in Fütig bei Almena eingesetzt und von Karl Wehfer bedient. Als 1920 Karl Wehfer starb, trat der 1882 geborene Maurermeister Karl Brakhage als Mitarbeiter in das kleine Unternehmen ein, aus dem er erst 1964 in hohem Alter ausschied. Zuletzt arbeitete er nur noch im Standdrusch mit der Lokomobile. 1925 wurde eine neue Dreschmaschine angeschafft, welche schon einen Einleger (Gerät zur automatischen Garbenzufuhr) hatte. Als Karl Meier (1909 – 1988), Sohn von Simon Meier, mit 18 Jahren seine Tischlerlehre abschloss, trat er 1927 in den väterlichen Betrieb ein. Im selben Jahr nahm das Unternehmen auch den Holzschnitt auf. Es wurde eine gebrauchte Horizontalgattersäge zum schneiden von Brettern gekauft und aufgestellt. Die Gattersäge war von der Firma MEIER & SCHWABEDISSEN hergestellt worden und im Sägewerk Künnemeier in Detmold in Betrieb gewesen. Die Lokomobile trieb nun neben der Dreschmaschine auch das Sägegatter an. In diesem Zusammenhang musste am Dreschschuppen angebaut werden. Im großen Dreschschuppen stand die Dreschmaschine und eine Kreissäge, auf welcher schon vor 1927 Balken, Kanthölzer und Latten gesägt wurden. Im angebauten kleineren Schuppen wurde das Sägegatter aufgestellt. Die Lokomobile stand etwa mittig hinter beiden Schuppen, sicherlich auch in einer kleinen Umhausung. Als 1928 eine Strohpresse angeschafft wurde, konnten damit bis zu sechs Arbeitskräfte beim Dreschen eingespart werden. Die Strohpresse wurde vor der Dreschmaschine aufgestellt. Im Jahre 1932 wurde mit Hilfe der Firma OTTOMEYER in Steinheim eine neue Lokomobile angeschafft. Die alte Lokomobile wurde vom Maschinenhändler in Zahlung genommen. Diese neue Lokomobile wurde 1917 von der Firma LANZ in Mannheim hergestellt und war mit 26 PS leistungsfähiger als die erste Maschine. Zwischen 1917 und 1932 diente sie in Wedewitz bei Merseburg. Karl Meier übernahm 1934 die Lohndrescherei und das Sägewerk von seinem Vater. Für den Transport und den Antrieb der Dreschmaschine kaufte er 1934 einen LANZ Bulldog mit 28 PS. Damit konnte nun während der Dreschsaison das Sägewerk weiter in Betrieb bleiben. Außerdem wurde an diesen Bulldog eine Bandsäge angebaut. Bis zum Beginn des II. Weltkrieges fuhr Karl Meier damit zu Leuten, um Brennholz zu schneiden. 1937 wurde die WELGER-Presse durch eine LANZ-Presse ersetzt. Karl Meier heiratete 1938 Minna Lampe aus Asendorf. In dieser Ehe werden 1940 Werner Meier und 1941 Günter Meier geboren. Im II. Weltkrieg wurde Vater Karl 1940 zum Wehrdienst einberufen, konnte 1941 jedoch u.k. gestellt werden (unabkömmlich, aus wehrwirtschaftlicher Sicht). Am 21. April 1941 bestellte er eine OTTOMEYER-Dreschmaschine bei der Firma OTTOMEYER in Steinheim. Sie sollte dann im folgendem Winter gebaut werden und wurde im Februar 1942 für RM 9.144,- geliefert. Von 1942 bis 1945 musste Karl Meier doch ins Feld ziehen. Er war als Soldat in Norwegen und auf dem Balkan eingesetzt. Während dieser Zeit musste Vater Simon den Betrieb führen. Weil dieser jedoch mit dem Berieb des LANZ – Bulldog und der neuen Dreschmaschine nicht vertraut war, machte er das Dreschen auch auf den Höfen wieder mit der Lokomobile und der alten Dreschmaschine. Die Dreschmaschine von 1942 konnte ab 1950 bei auswärtigen Einsätzen auch von einem Elektromotor angetrieben werden. Zum anschließen des Kabels wurde mit Steigeisen ein Strommast bestiegen. Ein Körnergebläse wurde 1951 in die neue Dreschmaschine eingebaut. Später kam noch ein Förderband für den Transport der Garben aus der Banse zum Einleger hinzu. Der 28 PS LANZ-Bulldog wurde 1956 durch einen 36 PS Bulldog ersetzt. Im Jahre 1958 kündigte die Gemeinde das Grundstück „auf den Strecken“, um es an die Möbelfirma Gustav DEPPE, Bielefeld, zu verkaufen. Deshalb errichtete Karl Meier zwischen seinem Wohnhaus (Hinter den Linden 2) und der Almenaer Straße auf eigenem Grundstück einen neuen Dreschschuppen und einen Sägeschuppen. Zum Standdreschen musste die Lokomobile vom Sägeschuppen zum Dreschschuppen umgesetzt werden, nur konnte dann das Sägegatter nicht arbeiten. Karl Meier kaufte 1961 für zirka 30.000,- DM einen selbstfahrenden Mähdrescher der Firma CLAAS. Es war der erste Mähdrescher in Lüdenhausen. Der inzwischen 46 Jahre alte Kessel der Lokomobile musste 1963 ersetzt werden. Durch eine Firma in Bielefeld wurde ein gebrauchter Lokomotivkessel eingebaut. Nachdem 1965 der letzte Standdrusch mit der Lokomobile (im Dreschschuppen) stattfand, wurde die Dreschmaschine noch bis 1972 auf Bauernhöfen der Umgebung eingesetzt. Der Lohndrusch von Karl Meier endete 1978, als dieser seinen Mähdrescher CLAAS SF an den Bauern Friedrich Meier, „auf dem Richterberg“ in Lüdenhausen, verkaufte. Bis zu seinem Tode 1988 betrieb Karl Meier das Sägewerk mit der Gattersäge und der Bauholzsäge, die beide weiterhin von der Dampflokomobile angetrieben wurde. Kunden dafür waren oft waldbesitzende Bauern der Umgebung, die bauen wollten. Große Sägewerke nahmen so kleine Aufträge nicht an, also blieb Karl Meier und später seinem Sohn diese Marktlücke. Zahlreiche Besucher interessierten sich für die museale Technik des Sägewerkes. Besonders in der Zeit der Ölkrise Anfang der 1980er Jahre fand man es bemerkenswert, dass das Sägewerk ohne Energie von außen auskam, da die Lokomobile ausschließlich mit Sägemehl und Abfallholz befeuert wurde. Es erschienen etliche Berichte in den Lokalzeitungen. Werner Höcker vom WDR führte 1981 für den Hörfunk und 1985 für das Fernsehen Interviews mit Karl Meier. Nach dem Tod von Karl Meier im Jahre 1988 führte dessen Sohn, Werner Meier, das Sägewerk im Nebenerwerb weiter. Anfang 1990 führte der Technischen Überwachungsverein (TÜV) bei der Lokomobile eine Wasserdruckprobe durch. Diese Prüfung mit 15 bar Wasserdruck verlief negativ, sodass eine erneute Revision nach der Reparatur der festgestellten Mängel notwendig wurde. Nach Absprache mit dem TÜV, verschweißte eine Fachfirma zwei undichte Rauchrohre. Bei der nachfolgenden Wasserdruckprobe durch die Reparaturfirma zeigten sich neue Undichtheiten in den anderen Rauchrohren, worauf dann weitere Reparaturen unterblieben, und der Kessel abgemeldet wurde. Für Werner Meier stand nun fest, das die Nutzungszeit seiner Lokomobile abgelaufen ist. Um das Sägewerk weiter betreiben zu können, versah er die Kreissäge und das Sägegatter mit Elektroantrieb. Werner Meier versuchte, die alte Lokomobile an ein Museum in Detmold zu verkaufen, war jedoch nicht einverstanden, dass die Maschinen, vor den Besuchern versteckt, nur eingelagert werden sollten. Ende 2003 bekam er über einen Freund Kontakt zum Sächsischen Dampfmaschinenverein zu Wilsdruff e.V.. Unser Vereinsmitglied Dr. Rutger Kretschmer nahm Kontakt zur Familie Meier auf und besichtigte gemeinsam mit Robert Büttner und Andreas Winter im Juli 2005 das Sägewerk. Nach etlichen Planungsrunden und Gesprächen entschied die Mitgliederversammlung unseres Vereines Ende 2005, der Lokomobile und dem Horizontalgatter eine neue Heimat in Sachsen zu geben. Dank des Entgegenkommens von Frau Müller, Mitbesitzerin des Grundstücks Fabrikstr. 2 und gleichzeitig Vereinsmitglied, konnten wir einen Platz für die historische Technik in der ehemaligen Versandhalle der MÜLLER’schen Möbelfabrik finden. Das Interesse des Vereins an seiner Sägewerksanlage und das Aufstellungskonzept gefielen Herrn Meier, so dass er sich entschloss, die historische Technik komplett nach Wilsdruff in Sachsen abzugeben. Am 25. und 26. Februar 2006 bauten Mitglieder des Dampfmaschinenvereins die Sägegatteranlage mit zugehöriger Transmission ab, mit dem Ziel, sie in Wilsdruff aufzubauen und im Schaubetrieb interessiertem Publikum vorführen zu können. Herr Werner Meier betreibt sein Sägewerk mit einer neuen, modernen Sägeanlage im Lohnschnitt weiter.
Der vorstehende Artikel nutzt als Quelle das Buch: .............[noch einfügen] |



